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Kaisern, Königen und Scheichs den Tisch gedeckt

Kulinarische Genüsse und eine gehobene Tischkultur sind bei der Chaine des Rotisseurs sehr eng verbunden. Deshalb war das Diner Maison in der Glasmanufaktur von Poschinger in Frauenau ein ganz besonders reizvolles Ereignis – inmitten der Patina einer historischen Industrieanlage, in der über Jahrhunderte edelste Gläser für die vornehmsten Häuser in aller Welt entstanden sind.
Der Handwerker zieht die Pfeife schnell aus dem gleißenden Gelb-Rot der Ofenöffnung. An dem Rohr krümmt sich träge der Schwerkraft folgend ein Batzen dieses glühenden Stoffs, der nur aus Quarz, Soda und Pottasche verschmolzen wurde. Geschickt lässt der Glasbläser die Pfeife rotierend durch die Finger gleiten. Der kleine, zähflüssige Ballon bekommt eine erste Gestalt. Dann drückt er Annelies Lessig das Rohr samt vorgeformtem „Kölbl“ in die Hand und deutet auf das Mundstück. Dem Zauber-Lehrling ist das leichte Lampenfieber anzumerken. Der erste zaghaften Druck und schon dehnt sich der Klumpen und formt sich zu einer dekorativen Kugel in schillernden Farben. Und Annelies Lessig beschreibt hinterher das faszinierende Gefühl, wenn durch wenige Handgriffe und leichten Luftdruck ein so filigranes und einzigartiges Objekt entsteht.

Annelies Lessig hat es getan. Und auch einige andere Chaine-Mitglieder. Nach dem Diner Maison am Glasofen und vor der riesigen Wand mit 3500 Mustern aus mehreren Jahrhunderten Poschinger-Produktion durften die Gäste selbst die Rolle der traditionsreichen Handwerker annehmen und unter fachkundiger Anleitung in die Pfeife blasen.
Bailli Karl-Günther Wilfurth ist sehr stolz darauf, dass er Stephan Freiherr von Poschinger zu den Chaine-Mitgliedern der Bailliage Baviere Orientale zählen darf. Denn Poschinger steht für alle gläsernen Accessoires auf dem geschmackvoll gedeckten Tisch. „Diese Dynastie hat zweifellos in ganz Europa Maßstäbe gesetzt“, sagte Wilfurth. Seniorchef Stephan Freiherr von Poschinger referiert nicht ohne Stolz, dass er weltweit eine der ältesten Unternehmerfamilien repräsentiert (hier zusammen mit seiner Gattin Silvia, Bailli Wilfurth und Chancelier Anton Röhrl, von rechts).
Die nachmaligen von Poschingers – im 18. Jahrhundert zu Reichsrittern geadelt und Anfang des 20. Jahrhunderts zu Freiherrn erhoben – pachteten 1568 die „Zandlershütte“ in Zwieselau im Bayerischen Wald, um sie ein paar Jahrzehnte später zusammen mit einem Gut in Frauenau zu kaufen. Die Glashütte wird seitdem und inzwischen in der 15. Generation von den von Poschingers betrieben. „Es sieht so aus, als könnte noch eine 16. Generation drangehängt werden“, sagt Stephan von Poschinger schmunzelnd. Sein Sohn Benedikt von Poschinger, Jahrgang 1971, hat inzwischen die Regie im Unternehmen übernommen – und für den Fortbestand des Adelsgeschlechts gesorgt.

Und von Poschinger ist nicht irgendein Industriebetrieb im Bayerischen Wald: Der Erzeuger edler Jugendstil-Gläser steht in einer Linie mit den weltbekannten Herstellern und Designern von Tiffany, Lötz und Galle. Könige und Fürsten aus ganz Europa ließen sich für prunkvolle Diners Poschinger-Gläser auftischen. Die Frauenauer Glashütte zählte zu den Hoflieferanten bayerischer und französischer Könige und des Zarenhofes in St. Petersburg. Was früher die Könige und Zaren waren, sind heute arabische Scheichs, Kirchen, Museen, Klöster und Landesregierungen.
Aber auch Architekten, Künstler und Juweliere zählen zu den Kunden. Denn die Glashütte von Poschinger hat sich durch Globalisierung, Billigproduktion im Ausland und Importkonkurrenz nicht einfach von der Landkarte tilgen lassen. Die klassische Kollektion gibt es zwar immer noch, aber das Unternehmen hat sich längst auf Spezialanfertigungen mit allen Raffinessen des Glashandwerks und der –technologie verlegt. „So ist das Überleben der Glashütte gesichert“, sagt Benedikt von Poschinger.

Im unverwechselbaren Ambiente der alten Ofenhalle kredenzten Michaela und Bernd Koller vom Hotel St. Florian in Frauenau das viergänge Diner Maison. Dies ist zwar kein Chaine-Haus, aber die Gäste waren sehr von dem Menü angetan: Unter anderem wurde geräucherte Hirschschinken mit Waldorfsalat, gegrilltes Lachsforellenfilet mit Spargel-Kräuterrisotto und Safransoße sowie eine im Ganzen gebratenen Kalbslende mit Pfifferlingen serviert.
Beim Chaine-Golf-Cup der Bailliage im Golfpark Oberzwieselau war die Gewinnerin selbst am meisten von ihrem Sieg überrascht: Gabi Röhrl (im Bild) brachte den Wanderpokal zum Golf-Event mit, um ihn als Vorjahres-Championess weiterzugeben – und nahm ihn dann wieder mit nach Hause.
Kontakt: Freiherr von Poschinger Glasmanufaktur, Moosauhütte 14, 94258 Frauenau, Tel. 09926-94010, Fax 09926-1711, E-Mail
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, www.poschinger.de
Text und Fotos: Dr. Wolf-Dietrich Nahr










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